Ist Eislaufen gefährlich?
Nach einer Studie der Krankenversicherer zählt Eiskunstlaufen zu den weniger
gefährlichen Sportarten. Nach deren Einschätzung sind die positiven Wirkungen des Eislaufens
auf die Gesundheit höher zu bewerten als mögliche Unfälle.
Nach einer Aufstellung des Bundesamts für Arbeitsschutz
und Arbeitsmedizin geschehen die meisten Sportunfälle bei den Ballspielen (Fußball,
Handball) und beim Skateboardfahren. Hingegen liegen Unfälle beim Eislaufen auf den
letzten Rängen.
| Rang |
Unfälle in Jahr 2000
in 1000
|
Sportart |
| 1 |
4.720 |
Fußball |
| 2 |
1.790 |
Hand- und Volleyball |
| 3 |
1.110 |
Skateboard- und Inlinerfahren |
| 4 |
930 |
Reiten |
| 5 |
900 |
Skisport |
| 6 |
870 |
Tennis |
| 7 |
640 |
Jogging |
| 8 |
600 |
Radfahren |
| ... |
|
|
| 89 |
0,65 |
Eiskunstlaufen |
Unfallverhütung
Jede öffentliche Einrichtung aber auch jede Privatperson ist nach BGB zur Unfallverhütung verpflichtet. Wer eine andere Person verletzt bzw. unzureichend für Schutz sorgt, haftet für den entstandenen Schaden. Daher gibt es einen Aushang, die Eislaufregeln, welche von allen Besuchern beachtet werden müssen:
1. Im Polarion wird immer gegen den Uhrzeigersinn gelaufen (Geisterfahrer sind gefährlich)
2. Ketten- und Schlangenfahren ist verboten (Schleuder- und Kollisionsgefahr)
3. Das Sitzen auf der Bande ist nicht erlaubt (weil die Kufen in Kopfhöhe der Kinder in die Bahn ragen würden)
4. Keine Gegenstände auf das Eis werfen (schon eine Haarnadel kann jemand zu Fall bringen)
5. Rauchen und Essen auf der Eisfläche ist nicht gestattet (nicht nur weil man dadurch abgelenkt wird)
Es gibt jedoch auch Punkte, welche nicht reglementiert sind, jedoch dem persönlichen Schutz
dienen: 1. Erst aufwärmen
Bevor man aufs Eis geht, sollten man sich aufwärmen, z.B. mit
gymnastischen Übungen. Anfänger stehen meist
verkrampft auf dem Eis, daher ist die Gefahr für Anfänger, sich bei einem Sturz zu verletzen, besonders hoch.
2. Handschuhe tragen
Wer sich schon einmal die Hände auf dem Eis aufgeschnitten hat, weiß warum "Profis" immer mit
Handschuhen laufen.
3. Knie- und Ellenbogenschützer tragen
Geniert Euch nicht Knie- und Ellenbogenschützer zu tragen, da selbst die Profis das während des Trainings tun.
Der "coole" Anfänger der schon nach der ersten Runde mit dem Knie aufs Eis knallt, sieht das meist zu
spät ein. Wer keine Schützer hat, welche man unter der Kleidung tragen kann, kann notfalls auch
Inliner-Protektoren tragen. Der Nachteil von Inline-Protectoren ist lediglich, dass diese eine glatte Oberfläche
haben und man damit länger über das Eis schlittert. Besser geeignet sind Protektoren wie Sie beim Handball oder Volleyball
verwendet werden und unter der Kleidung getragen werden können.
4. angepaßtes Verhalten
Darunter ist zu verstehen, dass man seine Geschwindigkeit und Bewegungen dem zur Verfügung stehenden Platz anpassen muss.
Ist die Eisfläche voll, muß man die Geschwindigkeit reduzieren. Laßt Euch nicht von "Cracks",
die sich mit atemberaubenden Manövern durch die Menge schlängeln, animieren es ihnen gleich zu tun. Dies
können sich nur absolute Könner erlauben, welche wirklich in jeder Situation auszuweichen wissen. Wer
sich durch die Cracks verunsichert fühlt, sollte die Leute offen darauf ansprechen. Eislauffreunde werden dies
ohne Widerrede akzeptieren, nur Störenfriede lassen sich nicht beirren und die fliegen raus.
5. vorausschauend fahren
Wenn Kinder auf der Eisfläche sind, muß man immer auf der Hut sein. Kinder reagieren
- wie im Straßenverkehr - spontan, d.h. sie bleiben urplötzlich stehen oder queren die Fahrtrichtung
ohne auf andere Eisläufer zu achten. Die Spur von Kleinkindern sollte man stets hinterkreuzen um sie nicht zu
verunsichern. Die Kreise anderer sollte man grundsätzlich nicht kreuzen. Wenn Kunstläufer Pirouetten
drehen oder einen Sprung vorbereiten benötigen Sie dazu Anlauf. In der Regel holt man Schwung indem man einen
Kreisbogen fährt und dann die Fahrtrichtung wechselt. Kreuzt also deren Spur nicht vor sondern hinter ihnen,
wenn es schon unvermeidlich ist.
6. keine Bonbons im Mund
Ihr lacht? Vorallem Kinder verschlucken sehr leicht ein Bonbon wenn sie auf den Rücken fallen. Geschieht dies
beim Einatmen kann das Teil in die Luftröhre gelangen!
7. Finger einziehen
Kinder sollte man vor dem Eislaufen darauf hinweisen, nach einem Sturz nicht liegen zu bleiben oder gar die
Hände weit von sich zu strecken, sondern so schnell wie möglich aus der Schußlinie zu gehen. Niemand
will einem anderen die Finger abfahren, aber reagiert jeder schnell genug?
8. Gegenstände sofort vom Eis entfernen
Wer einen Gegenstand (z.B. Papiertaschentuch, Geldstück oder auch nur eine Haarnadel) auf dem Eis sieht,
sollte diesen sofort aufheben bevor jemand zu Fall kommt. Hans-Jürgen-Bäumler beschreibt wunderschön
in seinem Buch Eislaufschule wie er einmal im Training einen tollen Sturz vollführt hat weil er über eine Haarnadel fuhr.
9. Pinguine
Die Pinguine sind ein Hilfsmitteln für Kinder bis 10 Jahre das Gleiten auf dem Eis zu erlernen. Immer wieder sieht man wie Erwachsene damit ihre Kinder durch die Gegend schieben und - weill sie in gebückter Haltung fahren - nicht sehen was vor ihnen passiert. Stößt man jemand von hinten an den Füssen an, kann man damit auch den besten Eisläufer zu Fall bringen. Liebe Eltern kümmert euch nicht nur um eure Kinder sondern achtet auch auf andere Läufer und zeigt euch auch sonst vorbildlich.
10. Crashs unter allen Umständen vermeiden
Wer kennt nicht die Bilder aus dem Fernsehen, wenn jemand im Kfz ohne Sicherheitsgurt mit 30 km/h gegen eine Wand kracht. Auch beim Eislaufen muß ein Frontalcrash unter allen Umständen vermieden werden. Erwachsenen Personen gilt es immer auszuweichen. Kann man Kleinkindern nicht mehr ausweichen, sollte man diese mit beiden Armen umklammern und anheben (aber bitte nicht drauffallen). Eine Unart mancher Hobbyläufern ist das Ausprobieren des "Hockey-Stop" gegen die Bande oder noch schlimmer vor anderen Eisläufern. Wer ungebremst gegen die Bande oder andere Eisläufer kracht, merkt zu spät welche Wucht 75 kg Körpermasse haben. Die Kraft beim Aufprall berechnet sich nach der Formael
F=m^v²/(2s), d.h. prallt die Person mit einer Geschwindigkeit mit 30 kmh ohne Verzögerung gegen die Bande entspricht dies 20 G oder einem Gewicht von 1,5 Tonnen! Gefährliche Situationen erlebt man immer nur mit Angebern. Wirkliche Hockey-Spieler müssen sich nicht beweisen, denn die wissen was sie können! Eigentlich muß man nicht erwähnen, dass man nicht alkoholisiert auf das Eis geht. Solltet ihr trotzdem einmal bemerken, dass sich jemand grob fahrlässig verhält und damit andere gefährtet, so meldet dies bitte umgehend der Aufsicht.
Auch Fallen will gelernt sein
Was die wenigsten wissen, dass ein Sturz aus dem Stand gefährlicher ist als ein Sturz im vollen Lauf. Anfänger
fallen meist um wie ein Stück Holz. Wer ins Trudeln gerät versucht sich instinktiv aufzurichten und hebt dazu
die Arme. Das ist jedoch total falsch, denn dadurch rutscht der Schwerpunkt weiter nach oben und durch den Schwung rückwärts besteht die Gefahr auf den Hinterkopf
zu fallen. Die Fallregeln aus dem Inliner-Falltraining sind beim Eislaufen unbrauchbar. Man soll grundsätzlich nicht gegen das
Fallen ankämpfen, sondern sich möglichst klein machen und dann auf eine gepolsterte Partie (Po)
fallen lassen (siehe auch Rückenschule). Fällt man bei höherer Geschwindigkeit nach vorn, läßt sich in aller Regel die Wucht nicht mehr
mit den Händen abstützen und man fällt zwangsläufig auf die Rippenbögen. Dies ist schmerzhaft,
kann sogar zu Rippenbrüchen führen. Ein Sturz auf die Schulter, vorallem bei vorgestreckten Arm ist
- wie beim Handball - sehr gefährlich und kann zu einer Schulterluxation (Tossy) führen.
Wissenswertes zu Sportverletzungen kann man auch auf der Internetseite des Deutschen Sportbundes erfahren.
Unfallversicherung
Wie bekannt sein dürfte, versuchen die Krankenkassen die Kosten zur Behandlung von Sportunfällen zu minimalisieren. Sportzusatzversicherungen decken auch Kosten, welche über die reinen Behandlungskosten hinausgehen.
Wer einen anderen Läufer fahrlässig verletzt, haftet ohnehin allein für den Schaden, daher ist auf jeden Fall eine
Haftpflichtversicherung sinnvoll. Bevor man jedoch eine Versicherung abschließt, sollte man sich überlegen,
ob es evt. zweckmäßig ist einem Verein beizutreten über den man sich preiswert versichern kann. |