Rollen
Neben einem gut sitzenden Schuh machen vorallem Rollen mit einem geringen Rollwiderstand einen guten Inliner aus.
Wenn man neue Schuhe kauft wird man feststellen, daß fast immer billige Rollen montiert sind. Die Hersteller
mogeln damit den Preis des Skates niedrig. Dem Anfänger kann das egal sein, er soll den ersten Satz ruhig erst mal
herunterschruppen. Dem fortgeschrittenen Läufer fallen billige Rollen sofort auf. Mit schlechten Rollen hat man
das Gefühl nicht vom Fleck zu kommen. Tauscht man die Rollen danach gegen Qualitätsrollen aus, kann man -
bei gleicher Kraftanstrengung - gut und gerne 40% schneller laufern. Auch die Lagerqualität spielt eine Rolle,
allerdings längst nicht so viel wie das Rollenmaterial. Die Qualität des Lager ist hingegen wichtig für die Lebensdauer.
Für den Rollenwiderstand ist neben dem Rollendurchmesser, die Rollenhärte und das Elastiztätsmodul des
Rollenmaterials verantwortlich. Weiche Rollen mit einem hohen E-Modul wandeln selbst auf unebenen Unteregrund einen
grossen Teil der Verformenergie (Prellenergie) wieder in Bewegungsenergie zurück und laufen foglich besser als
harte Rollen mit einem niedrigeren E-Modul. Häufig wird auch der Begriff "CRR" genannt, was die Abkürzung von " coefficient of rolling resistance" ist. Der CRR ist ein Korrellationsfaktor, welcher aus dem Gewicht des Läufers die Kraft errechnen läßt, die notwendig ist eine bestimmte konstante Geschwindigkeit zu erzielen. Die Formel lautet Kraft [N] = CRR * Gewicht [kg]. Der CRR-Wert ist jedoch nicht linear zur Geschwindigkeit und außerdem stark temperaturabhängig. Letzteres hängt damit zusammen, daß Polymere wie das Polyurethan thermoplastische Kunststoffe sind und das E-Modul sich mit der Temperatur ändert. Bei höherer Temperatur nimmt das E-Modul ab, bei niederer Temperatur auch obwohl die Härte zunimmt. Jeder Kunststoff hat also nur in einem bestimmten Temperaturbereich optimale Werte.
Wird die Rolle überlastet, so ist die oben genannte Formel ebenfalls nicht mehr gültig, die Rolleigenschaften werden ebenfalls schlechter. Das ist einer der Gründe warum Speedskates 5 Rollen haben anstatt 4 wie bei Hobbyskates. Die Rollen von Hobby-Skates sind meist zu weich für "schwere" Männer, aber für die "leichteren" Damen oft noch tolerierbar. Die Rollenhärte wird mit einem Durometer nach DIN 53505 gemessen.
Die Rollenhärte, in der Regel in Shore A angegeben, stimmt leider meist nicht mit dem Aufdruck überein. Ich selbst habe
schon bei Rollen mit aufgedruckten 80 tatsächliche 71 Shore (A) gemessen. Die Messung nach Methode A hat einen
Messbereich von 0 - 100 Shore, Methode D hat einen Bereich zwischen 20 und 100 Shore.
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Neben dem Meßgerät hat auch das Meßverfahren einen Einfluß auf das Meßergebnis,
z.B. mit welchem Andruck die Messung druchgeführt wird. Für reproduzierbare Messungen benötigt man
für das Meßgerät eine normgerechte Halterung und ein Prüfgewicht. Die Methode A ist
daher vorallem für weichere und die Methode D für härtere Rollen geeignet, trotzdem findet man bei
den Angaben immer nur die Werte nach Methode A. Letzteres mag auch erklären weshalb die aufgedruckten Angaben
oft nicht stimmen. Verläßliche Durometer kann man bei
Bareiss beziehen und kosten je nach Ausführung zwischen 350 und 800 Euro.
Die billigeren Pencil-Durometer sind weniger genau. |
Nicht vergessen werde ich einen "Schnäppchen-Kauf", welches ich seinerzeit bei Eduscho gemacht habe. Damals
haben 8 Rollen inklusive Lager (angeblich ABEC 5) 29,00 DM gekostet. An der Währungsangabe kann man erkennen,
daß dies schon eine Weile her ist. Jedenfalls waren diese Rollen viel weicher als angeben und vorallem hatten sie
einen niedrigen E-Modul. Ließ man die Rollen (mit eingesetzten Lagern) aus ca. 50 cm Höhe auf die
Marmorplatten (Treppenhaus) fallen, so sprangen diese nicht einmal 25% der Fallhöhe zurück. Mit diesen
Rollen war es eine Qual voran zu kommen. Ich habe sie irgendwann weggeworfen! Wie gesagt, ein "Schnäppchen"
eben! Gute Rollen bekommt man z.B. von Hyperwheel, Kryptonics und Powerslide.
Durchmesser
Daß der Durchmesser der Rolle einen großen Einfluss auf den Rollwiderstand hat wissen wir bereits. Normale Tourenskates haben Rollen mit 70 bis 80 mm Durchmesser. Speedskates haben einen größeren Durchmesser (bis 100 mm). Für Rollkunstläufer ist aber die Wendigkeit der Rolle wichtiger als der Rollenwiderstand, zumal man in der Regel auf einem ebenen Untergrund läuft. Jeder kleiner die Rolle desto wendiger ist sie. Rollen von Aggressiv-Skates haben daher nur 40 - 45 mm Durchmesser, Hockey-Inliner haben meist 60 mm Rollen und für Kunstläufer sind 65 - 72 mm ideal. Damit der Skates spurtreu rollen können, dürfen die Rollen nicht ungleichmässig abgefahren sein.
Rollenquerschnitt
Es gibt Rollen mit ovaler und runder Lauffläche. Je kleiner die Auflagefläche desto sauberer und enger können die Kreise gelaufen werden. Allerdings verformt sich der Querschnitt bei extremer Belastung stark, gerade in Kurven und bei hohem Körpergewicht. Bei einer Rollenhärte unter 80 Shore (A) sollte man besser ein rundes Profil wählen. Bei extrem harten Rollen (> 82 Shore) kann man auch ein ovales Profil nehmen, allerdings ist dann die Reibung unter Umständen so gering, dass man in Kurven seitlich wegrutscht. Gerade im Rollkunstlauf muss jeder die für ihn optimalen Rollen empirisch herausfinden.
Rollenhärte
Während Freizeitskates von der Stange meist eine Rollenhärte zwischen 76 und 80 shore (A) aufweisen, müssen die Rollen für den Hallenbereich (Hockey und Kunstlauf) deutlich härter sein. Für den Kunstlauf sind Rollen mit 85 shore (A) optimal.
Lager
Die Qualität der Lager wird nach der ABEC-Norm (Annular Bearing
Engineer's Committee) angegeben, dies ist eine
Genauigkeitsklasse für die Maß-, Form und Laufgenauigkeit für Wälzlager. Lager mit hohem Spiel haben
einen niedrigen Wert (1-3), Lager mit ABEC 5 bis 7 sind deutlich besser. Derzeit kann man Lager bis ABEC 9 kaufen. Ob dies wirklich
noch spürbar ist, kann man bezweifeln. Ohnehin ist die Lebendauer von Lagern beschränkt. Lager
müssen wie die Rollen regelmäßig ausgetauscht werden. Man sollte also nicht warten bis sich das
Lager festfrißt. Es kann daher durchaus von Vorteil sein (zumindest für den Hobbyläufer), sich
anstatt ABEC 7 oder 9 zwei Sätze ABEC 5 zu kaufen. Nicht ganz außer Acht lassen darf man auch nicht die
kriminellen Machenschaften mancher Importeure, denn Gravuren lassen sich auch nachträglich anbringen.
Gut bedient ist, wer ein zuverlässiges Fachgeschäft kennt. Wer Rollen und Lager von "Hunz
& Kunz" im Internet bestellt ist selbst schuld.
Montage
Damit sich die Lager frei drehen können, muß sichergestellt sein, das sich der Druck
gleichmäßig veteilt. Daher werden für jede Rolle 2 Lager benötigt, welche von beiden Seiten
eingepresst werden. Die beiden Lager werden von einem Distanzstück (Spacer) in Position gehalten. Je nach Art
der Spacer werden die Rollen dann auf eine 6 bzw. 8 mm Achse montiert. Zum Festscharuben der Achse benötigt man
ein oder zwei 4 mm Imbuss-Schlüssel, je nachdem ob eine Seite mit Arretierung versehen ist oder nicht.
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