Was hat Kybernetik mit Eiskunstlaufen zu tun?

Der Begriff "Kybernetik" kommt aus dem Griechischen (= Kunst des Steuerns) und bezeichnet eine von Norbert Wiener um 1948 begründete Wissenschaft von den Steuerungs- und Regelungsvorgängen in technischen und organismischen Systemen. Die Kybernetik untersucht und beschreibt die Verhältnisse in solchen Systemen, wobei sie sich als Wissenschaft vorwiegend auf die abstrakten Strukturen konzentriert, u.a. der Informationsaufnahme und -verarbeitung, der Funktionen, die die Selbstregulierung eines Systems durch Rückkopplung bewirken, die Strategien, mit denen der Gleichgewichtszustand des Systems erreicht wird. Die Kybernetik als Wissenschaft bedient sich daher vor allem mathematischer Methoden, insbesondere der Wahrscheinlichkeitsrechnung und mathematische Statistik.

Auch zum Eislaufen müssen im Gehirm Programme hinterlegt worden sein, welche die Motorik steuern, so daß in Abhängikeit von der jeweiligen Körperhaltung die gewünschte Figur gelaufen werden kann. Da in Bruchteilen von Sekunden hunderte von Muskeln in Stellung gebracht und nachgeregelt werden müssen, kann man sich leicht vorstellen, daß diese Programme sehr komplex sind, zudem müssen sie im Gehirn synchronisiert werden. Jeder der mit dem Eislaufen beginnt, weiß wie schwer es ist die Armhaltung und die Bewegung der Beine zu koordinieren. Konzentriert sich der Anfänger z.B. auf die Schrittfolge auf dem Eis, werden die Armbewegungen unkontrolliert bzw. umgekehrt. Schnelle Vorgänge können nämlich nicht vom Verstand kontrolliert werden, sondern müssern eingeübt werden bis sie quasi auf "Stichwort" automatisch ablaufen. Dies erfordert einen langwierigen (kybernetischen) Lernprozeß. Was beim Zusehen einfach aussieht ist in der Praxis oft sehr schwierig nachzumachen. Unser Gehirn kann nicht - wie ein Computer - von Außen programmiert werden. Lernen erfolgt daher in der Regel nach der "Trial and Error-Methode". Der Erwerb von Informationen läßt sich als ein Prozeß sich ausbreitender Aktivierung verstehen: Programme (Knoten), welche nahe am Ziel sind, nach denen man Erfolg hat, werden "aktiviert". Die Aktivierung breitet sich durch ihre Verbindungen (Assoziation) auf benachbarte Knoten aus und die Knoten mit der höchsten Erfolgsquote werden die Kandidaten für die Lösung des Steuerungsproblems. Wenn keiner der Steuerprogramme akzeptabel zu sein scheint, werden die Knoten, die der Antwort am nächsten zu kommen scheinen, wieder aktiviert und als Quellen für einen neuen Ausbreitungsprozeß gebraucht. Dieser Prozeß der Aktivierung, die über Assoziationen von Knoten zu Knoten wandert, wird solange wiederholt, bis ein zufriedenstellender Erfolg eingetreten ist. Dieser Prozeß ist die Grundlage des Lernens.

Eiskunstlaufen erfordert mehr Übungszeit für die Bewegung als die meisten anderen Sportarten (Stichpunkt Bewegungslehre). Balance, Kraft und Ausdauer sind wichtig - aber eben nicht alles! Es gibt Menschen mit einer angeborenen Begabung Bewegungen präzise und harmonisch auszuführen, während sich die Mehrzahl dies mit großem Aufwand antrainieren muss und - möglicherweise - nie perfekt lernt. Daher gibt es in der Disziplin Eiskunstlauf auch nur wenige wahre "Künstler", die den Durchbruch zur Weltspitze auch nur dann schaffen wenn sie optimale Möglichkeiten zum Üben und Trainieren bekommen (siehe auch Training und Erfolg).

Das IAT Leipzig hat in einer Studie, welche kinematische Aufzeichnungen auswertete und mittels mathematischer Modelle untersuchte, herausgefunden, dass ein Eiskunstläufer für einen 4-fach Sprung mindestens 0,78 Sekunden in der Luft sein muß. Die Sprunghöhe ist dabei entscheidend wieviele Umdrehungen der Läufer in der Luft machen kann. Eiskunstläufer vollführen die höchste Drehgeschwindigkeit aller Sportler. Neben der optimalen Technik spielen aber auch physikalische Parameter wie Größe, Gewicht, etc. eine große Rolle. So ist es z.B. relativ unwahrscheinlich, dass ein Athlet mit 90 kg Gewicht einen 4-fach Spung zuwege bringt.

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