Der Eisläufer - Gedicht

Dem Mann, der sich nichts zugetraut,
dem bleibt die halbe Welt verbaut.

So sucht er oft das Risiko,
Gefährliches stimmt manchmal froh.

Und laufen läßt er diesen Trieb,
wenn er sich aufs Eis begibt.

Denn dort beherrscht er sich perfekt,
wird sein Genie erstmal entdeckt.

Und auch der Frauen Augenglanz
ist ihm Lohn für seinen Tanz.

So geht er mutig auf das Eis,
der Schlittschuh ihm die Richtung weist.

Die eine Hand noch an der Bande,
denn Sicherheit ist keine schande.

Doch will er dann zur Mitte bald,
muß er's allein und ohne Halt.

Dies Unterfangen, gut "getimed",
ist jedoch schwerer, als es scheint.

Sobald er nämlich losgelassen,
versucht er, nach dem Mond zu fassen.

Die Beine geh'n schneller davon,
als der Rest des ganzen schon.

So hebt er ab für kurze Zeit,
genießt die Schwerelosigkeit.

Eh er dann hinterrücks erfährt,
wie sich sein Körper schnell erschwert.

Doch's fallen tat ihm nichtmal weh,
der Aufprall, der war nicht ok.

Passieren kann sowas jedoch,
und bald schon ist er wieder hoch.

Nur die Füß' bleiben nie still,
dreh'n sich rum, wie er's nicht will.

Fahren selbständig ins Gefecht,
einer nach links, der andre rechts.

Zwingen den Manne zum Spagat,
die Kür erst jetzt begonnen hat.

Schnell reißt er sich zur Seite rum,
der Sprung kommt an beim Publikum.

Und aus dem Schwung heraus entsteht
'ne Pirouette, die sich dreht.

Dem Manne leicht die Sinne schwinden,
vom Magen kommt arges Empfinden.

Schon zu lange hielt er stand,
wie er mit Befremdung fand.

Deshalb fällt er, daß man's weiß,
mit der Nase auf das Eis.

Nun endlich findet er die Zeit
für Heiter- und für Übelkeit.

Die Anspannung vorher tat gefährden
dem Probleme Herr zu werden.

Gedanklich er den Kern ersinnt:
die Balance hatte nicht gestimmt!

Und weiter fällt ihm dazu ein:
das Eis ist glatt, mein Können klein.

Deshalb beginnt er noch einmal,
doch jetzt trifft er die richt'ge Wahl.

Fernab der Sinn nach Huldigung,
üben ist die Entschuldigung.

So breitet er die Arme aus
und gleitet stetig gradeaus.

Wie zwei Flügel hält er sie,
ausgestreckt zur Balancie.

Und was jetzt den Vergleich angeht -
ein Pinguin das schon versteht.

Doch der Mann, zum Held mutiert,
beim nächsten mal sich ausstaffiert.

Knieschützer und Ärmelschoner
weisen ihn als Marsbewohner.

Und der Helm aus Leichtmetall
lindert jeden weit'ren Fall.

Dazu das Kissen in der Hose
beläßt ihn sicher in der Pose.

So gewappnet kann er geh'n
und der Gefahr ins Auge seh'n.

Einzig Furcht ihn noch befällt,
daß das Eis einmal nicht hält.

Doch auch hier ist vorgesorgt
mit einem Rettungsring aus Kork.

Die Ansicht nun, sein Outfit sei
ne Zumutung und obendrein

erziele er, mit Respekt,
bei Frauen nicht einmal Effekt,

ist falsch und so wirklichkeitsfern,
sehen wir doch alle gern,

wenn jemand der Gefahr vorbaut,
wie's sich keiner von uns traut.

So zeigt er uns fürs Auge was,
Zwar keine Kunst, doch dafür Spaß.

Autor unbekannt

 

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